Social Bots und was man darüber wissen sollte

- - Marketing, Social Media

Social Bots
  • Social Bots arbeiten mit einfachen Keyword-Suchen und scannen Twitter-Timelines oder Facebook-Posts nach bestimmten Wörtern und Hashtags.
  • Gefahr von Social Bots: einseitige Themendarstellung, Trendthemen kreieren, Störfaktoren
  • Social Bots enttarnen: Welche Follower hat der vermutete Bot, ergeben seine Tweets/Posts inhaltlich Sinn, seit wann ist der Account aktiv und hat er dafür eine realistische Anzahl an Tweets?

Nutzung sozialer Medien als Nachrichtenquelle

Bei der Frage nach einer möglichen Meinungsbeeinflussung sollte zunächst ein Blick auf die Internetnutzung zum Zweck der Informationssuche geworfen werden. Wie viele Menschen informieren sich zu aktuellen Themen in den sozialen Medien? Der Reuters Institute Digital News Survey 2016 (in: Media Perspektiven 11/2016) hat die Nachrichtennutzung über soziale Medien im internationalen Vergleich beleuchtet und nachgewiesen, dass die Nutzung sozialer Medien bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung zum Standard-Nachrichtenrepertoire gehört. Als Hauptgrund wird angegeben, dass sie eine einfache Art darstellt, auf verschiedene Quellen zugreifen zu können. Weitere Punkte sind die Schnelligkeit und die Möglichkeit, Nachrichten verbreiten und kommentieren zu können.

Speziell für Deutschland gaben 31% der Befragten an, soziale Netzwerkseiten als eine ihrer regelmäßigen Nachrichtenquellen zu nutzen – für Social Bots also ausreichend Rezipienten in den sozialen Medien. Und obwohl fast alle Nutzer in Deutschland (98,5%) auch andere Medien nutzen, besteht dennoch die Gefahr, ein manipuliertes Bild zu erhalten. Insgesamt ist der Anteil derjenigen, die soziale Medien als ihre einzige Nachrichtenquelle verwenden, zwar gering – in Deutschland 1,5%, in den anderen Ländern 2,2%. Wenn man jedoch die Altersgruppe der 18-24-Jährigen betrachtet, sind es bereits 4,9% (Deutschland und Durchschnitt aller Länder). Und gerade diese knapp 5% sind besonders gefährdet, von Social Bots beeinflusst zu werden.

Was sind Social Bots?

Ein mit teilweise recht einfacher Software programmierter Bot agiert als normaler User im Netzwerk und ist – je nach verwendeter Software – leicht oder auch sehr schwer zu enttarnen. Bots arbeiten mit einfachen Keyword-Suchen und scannen Twitter-Timelines oder Facebook-Posts nach bestimmten Wörtern und Hashtags. Findet ein Bot die richtigen Wörter, legt er los. Ein Beispiel ist das Keyword #rapefugees, das nach den Geschehnissen der Silvesternacht 2015 in Köln entstand. Der Bot beantwortet Posts, twittert oder postet selbst News, die er bei seiner Suche gefunden hat und die zu seinen Keywords passen. Diskussionen mit realen Usern können Bots nur aufrechterhalten, wenn sie aufwändig programmiert sind. Dazu kopieren sie sich vorgefertigte Textbausteine und setzen diese – mal mehr, mal weniger sinnhaft – zusammen. Ziel ist meist, möglichst viele Informationen zu verbreiten und Zustimmung zu erhalten. Es gibt jedoch auch News-Bots, die zwar auf Keywords programmiert sind, aber nicht mit der Absicht, ein bestimmtes Thema zu beeinflussen, sondern lediglich, um Wissenswertes zu transportieren – zum Beispiel wenn ein Bot auf das Keyword „Sturmwarnung“ reagiert und alle Infos zu diesem Thema zusammenträgt.


Auf wired.de beschreibt Dominik Schönleben jedoch auch noch weitere Arten von Bots, die unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen:


Überlaster
Ein Bot kann den Feed einer bestimmten Seite oder eine Person mit einer bestimmten Aussage überfluten. Sieht er beispielsweise, dass eine Nachrichtenseite sich zu einem bestimmten Thema geäußert hat, postet er immer wieder dieselben Gegenaussagen. Es entsteht durch die Verlinkung der Bots untereinander ein hoher Traffic und echte Kommentare verschwinden schnell im Rauschen.
Überlaster können somit die Meinungsbildung behindern, da sie einseitig eine Information teilen und keine echte Diskussion entstehen lassen. Als Bot an sich können sie jedoch aufgrund der immer wiederkehrenden Infos leichter enttarnt werden.


Trendsetter
Unterhalten sich genügend User über ein bestimmtes Thema, kann es zu einem Trending Topic – zum Beispiel auf Twitter – werden. Verwendet ein Bot-Netzwerk also immer den gleichen Hashtag, ist es möglich, die Themen-Agenda zu bestimmen. Ein Thema erscheint plötzlich größer als es ist und echte Nutzer schließen sich einer Fake-Bewegung an, weil sie diese als eine echte Mehrheit begreifen.
Trendsetter können dazu beitragen, dass einzelne Themen eine falsche Gewichtung erhalten. Besonders bei Personengruppen, die sich zu einem Großteil auf sozialen Netzwerken informieren, kann dies zu einem verzerrten Bild führen.


Auto-Trolle
Diese Bots sollen einzelne Nutzer ablenken, damit sie möglichst viel Zeit mit sinnloser Diskussion verbringen. Wenn sich etwa zwei Nutzer über ein Thema unterhalten, klinkt ein solches Programm sich ein und schreibt immer wieder unpassende, extreme oder sogar beleidigende Argumente. Je nach Sinnhaftigkeit der Inhalte können Auto-Trolle jedoch leicht identifiziert werden.

Auf einen Unterschied sollte noch hingewiesen werden – Social Bots und Fake-Accounts: Zahlreiche Netzwerke beherbergen sogenannte Fake-Accounts. Das sind Benutzerprofile von Personen, die in Wirklichkeit gar nicht existieren. Sie werden angelegt, um zum Beispiel gefälschte Rezensionen für Produkte oder Dienstleistungen zu schreiben oder sich zu verschiedenen Themen zu äußern. Die Gefahr bei den Fake-Accounts ist, dass dahinter reale Personen stehen, die jedoch im Auftrag handeln und schwierig zu enttarnen sind. Sie verursachen zwar keinen solch massenhaften Traffic wie Bots, verursachen jedoch unter Umständen größeren Schaden, da sie von Menschen gesteuert werden.

Wie kann man Social Bots enttarnen?

Je fortschrittlicher die Technik, umso schwieriger wird die Enttarnung der Bots, da sie augenscheinlich wie Menschen agieren. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, Social Bots zu erkennen:

Überprüfen Sie zum Beispiel regelmäßig Ihre Twitter-Follower. Welche Follower hat der vermutete Bot und an welchen Unterhaltungen beteiligt er sich? Führt er mehrere Unterhaltungen gleichzeitig und gibt es einen Themenfokus? Seit wann ist der Account aktiv und hat er dafür eine realistische Anzahl an Tweets? Lässt die Beschreibung Rückschlüsse auf einen Bot zu?

Beispiele von Twitter-Bots:

@rethinkai: twitter.com/rethinkai

  • existiert seit Mai 2015 – rund 650 Tage
  • 39.127 Tweets – pro Tag im Durchschnitt 60 Tweets
  • wahllose Themenauswahl, viele Tweets und Retweets via Bing Search

@Powerman789: twitter.com/Powerman789

  • existiert seit November 2016 – rund 105 Tage
  • 11.671 Tweets – pro Tag im Durchschnitt 111 Tweets
  • hauptsächlich Retweets amerikanischer Comedians, Politiker etc.
Social Bots Social Bots

Mit dem Service „Bot or Not“ der Indiana University kann man zudem prüfen, ob es sich um einen Bot handelt: http://truthy.indiana.edu/botornot/

Die Ergebnisse können jedoch auch daneben liegen: Ein Indikator ist beispielsweise eine Tweet-Anzahl von mehr als 50 pro Tag – das kann allerdings auch von einem sehr engagierten User durchaus einmal überschritten werden.

Bots, die in Foren agieren oder Beiträge auf News-Seiten kommentieren, kann man oft nur an ihrer Beitragshistorie und ihren Inhalten erkennen. Eine gute Möglichkeit, um Bots aus Foren fernzuhalten, sind Captchas. Das sind Sicherheitsabfragen, die je nach Schwierigkeitsgrad nicht von Bots beantwortet werden können.

Grundsätzlich gilt, dass die Enttarnung von Bots eine aufwändige Recherchearbeit darstellt, die nicht allein mit Hilfe von Tools auszuführen ist. Ein Beispiel stellt die Hamburger Sozialbehörde dar – sie hat rund 200 Bots aus ihren Twitter-Followern entfernt.

Auswirkung auf Meinungsbildung?

Angesichts der Tatsache, dass sich nur sehr wenige Menschen – laut oben genannter Studie 1,5% in Deutschland – ausschließlich über soziale Medien zu Nachrichtenthemen informieren, ist die Auswirkung von Social Bots auf die Meinungsbildung nach diesem Kriterium eher nüchtern zu betrachten. Wer noch andere Nachrichten rezipiert, zum Beispiel über Print oder TV, hat zumindest die Möglichkeit, sich ein ausgewogenes Bild zu machen – insofern er nicht stark selektiert bei der Nachrichtenauswahl.

Eine Gefahr könnte jedoch darin bestehen, dass es Social Bots regelmäßig gelingt, Themen auf die Agenda zu bringen, die dann auch von den Medien aufgegriffen werden. Werden sie nicht sorgfältig hinterfragt, kann der Eindruck entstehen, ein Thema sei besonders wichtig, obwohl es das gar nicht ist.

In unserem nächsten Blogbeitrag gehen wir noch genauer auf die technischen Facetten von Social Bots ein – abonnieren Sie gern unseren Newsletter und bleiben Sie informiert.

 

Quellen:

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article158756655/Wie-Social-Bots-die-Meinungsbildung-beeinflussen.html

http://www.grin.com/de/e-book/285660/social-bots-in-bezug-auf-neuronale-netze

https://www.wired.de/collection/tech/welche-social-bots-gibt-es-und-wie-funktionieren-sie

1 Kommentare

Marco

17.03.2017

Ebenfalls lesenswert zum Thema:

 

Social Bots auf Twitter: 48 Millionen Accounts sind keine Menschen

 

www.basicthinking.de/blog/2017/03/17/social-bots-twitter/


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